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Eine Künstlerkolone Nidden war nicht geplant, wurde nie gegründet. Sie entstand ganz langsam: Neugierige Geographen und Tiermaler hatten das arme Fischerdorf Nidden, umgeben von etwas Wald und vielen Dünen vor dem großen Kurischen Haff, ganz am Ende Deutschlands gelegen, entdeckt. Lange galt es als Geheimtipp. 1888 weilte der Maler Bischoff-Kulm dort und Ausstellungen von Bildern der Kurischen Nehrung in Königsberg machten Nidden bekannt. Bild links: Wilhelm Eisenblätter

 

 eulenstein_bearb_webBei dem heutigen Hotel Nidos Smilte in Nida (vormals Nidden) erinnert eine kleine Ausstellung an die Niddener Malerkolonie und seine Besucher. Hier stand damals der Gasthof Hermann Blode, dessen Wirt häufig von Malern ein Bild statt Bargeld erhalten hatte. Leider ging sein ganzer Bestand ebenso wie die Bilder seines Schwiegersohnes Ernst Mollenhauer - 1945 verloren: verheizt von Sowjets in der Sauna, wie die Enkeltochter Hermann Blodes 2012 kurz vor ihrem Tode auf Nachfrage hin erzählte. Bild rechts: Karl Eulenstein

bischoffculm_bearb_webBild links: Ernst Bischoff-Culm

1909 reiste Max Pechstein erstmals dorthin und wiederholte seine Aufenthalte, denn die ungewöhnlichen Formen der Dünenlandschaft und das starke, der Nehrung eigene Licht hatten ihn fasziniert. Rückblickend schrieb er: „Alles ersäuft bei mir in Farben, mein Gehirn ist nur mit Bildern gefüllt und es jagt mich die Idee des zu Malenden von einem Ort zum anderen...“ Im Jahre 1919 zeigte der Kunstsalon Gurlitt in Berlin von Pechstein bereits 24 Gemälde aus Nidden.


Ein ausgezeichnetes, handliches Buch zu Malern, die in Nidden arbeiteten, hat Jörn Barford erstellt: „Nidden - Künstlerort auf der Kurischen Nehrung“. Allen Freunden der Kurischen Nehrung und allen Kunstinteressierten sei es empfohlen.

 

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Die Flucht der ansässigen Bevölkerung hinterließ 1945 eine kulturelle Leere. Glücklicherweise gelang es dem Künstler Eduardas Jonusas, belastet mit schrecklichen Erinnerungen an seine Jahre im sowjetischen Straflager, schon 1956 in die Stille der Kurischen Nehrung zu gelangen. Neben seiner bildhauerischen Tätigkeit malte er, sammelte Erinnerungsstücke der Vergangenheit wie deutsche und russische Soldatenhelme, Grabkreuze und Kurenbretter, renovierte und bewahrte so vieles vor dem Verfall. Später baute er sogar einen Kurenkahn orginalgetreu nach. Bild links: Eduardas Jonusas
Seine Bilder haben zwei große Themen: Gewälttäter und Opfer ist das eine, das viele Besucher vor seiner Malerei erschauern lässt. Das andere Thema ist die Frage nach dem Ort, wo wir uns befinden, nach unserer Welt, nach unserem Kosmos. Dazu findet er überraschend ruhige, originelle symbolische Bilder.  
Am 17.April 2014 ist der große Künstler gestorben - sein Grab finden Sie auf dem alten Friedhof in Nidden.

Natürlich entdeckten auch andere litauische Maler nach und nach die Kurische Nehrung, blieben ein Weilchen um zu malen und irgendwann entstand am Rand von Nida einen Arbeits- und Ausstellungsraum für Künstler, der im Sommer Interessierte anzieht. Aber auch im Zentrum von Nida gibt es immer wieder Kunstausstellungen.

Bleibt zu hoffen und zu wünschen, dass die kleine Erinnerungsstätte bei Nidos Smilte an die vielen Maler der ehemaligen Malerkolonie und ihre bedeutenden Besucher auch nach dem Tod von Maja Ehlermann (geborene Mollenhauer) erhalten und geöffnet bleibt und gepflegt wird.

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